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Achtsamkeit, Sicherheit, Support

Awareness

Awareness hat vor allem im Veranstaltungskontext in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen und damit Aufmerksamkeit auf allgegenwärtige Diskriminierungserfahrungen und Grenzüberschreitungen gelenkt. Immer mehr Veranstaltende sind gewillt und bemüht die Orte ihres Geschehens sicherer zu machen und sich klar gegen Gewalt in jeglicher Form zu positionieren. Diese positive Entwicklung möchten wir mit unserem Angebot weiter voranbringen und gleichzeitig dafür sorgen, dass das Verständnis und die Umsetzung von Awareness weit über den Bereich von Events und Veranstaltungen hinausgeht. Wir möchten die Awareness dafür schärfen, dass in jeder Art von Interaktion das Potential für Verletzung und Grenzüberschreitung steckt Wir möchten Menschen befähigen das zu erkennen, darüber ehrlich und konstruktiv zu sprechen, um dann gemeinsam für Betroffene da zu sein und an einem achtsamen und sicheren Miteinander zu arbeiten.
Unser Awareness Angebot richtet sich demnach an alle, die sich in ihrem Kontext bzw. Umfeld mehr Achtsamkeit, Sicherheit und Unterstützungsangebote wünschen.
Pia und Paula vom Achtsamkreis Kollektiv - Awareness Anlaufstelle und Infopunkt beim B-Side Festival 2024.
Für wen machen wir was?

Unser Awareness Angebot

Für Organisator*innen von (öffentlichen) Veranstaltungen

In zwei Workshop-Terminen informieren und beraten wir Veranstalter*innen, die sich im Kontext ihrer Events gegen Diskriminierung und Grenzüberschreitung und für Betroffene einsetzen wollen.

Ziel der Workshops ist:

Im ersten Termin:

  •  Eure Haltung und das Verantwortungsbewusstsein zu stärken
  •  Interne Strukturen, Rollen und Aufgaben zu klären und auf Diskriminierung und Grenzüberschreitung zu prüfen
  •  Bewusstsein zu schaffen für die Bedeutung von Awareness im internen Arbeitskontext
  • Zu sensibilisieren für eure eigene Positionierung, Privilegien und Perspektive
  •  Ein realistischer Blick auf vorhandene Ressourcen und Kapazitäten zur Umsetzung von Awareness-Strukturen

Im zweiten Termin

  • Das Erarbeiten bzw. Erweitern des Awareness-Konzeptes für eure Veranstaltung/en
  • Das Erstellen eines klaren Zeit- und Fahrplans für eine Schritt-für-Schritt Umsetzung
  • Eine Einschätzung und Klärung davon, ab wann von funktionierenden „Awareness-Strukturen“ gesprochen werden kann
  • Ein Vorbereiten auf mögliche Hindernisse, Herausforderungen und Grenzen
  • Eine sensible und konkrete Aufgabenverteilung für die nächsten Schritte
  • Eine Vereinbarung von Anschlussterminen zum Weiterarbeiten (mit oder ohne uns)

Dauer: 6 Stunden pro Workshop-Termin
Max. Teilnehmer*innen: 20

Kontakt
Preise

In Beratungs-Terminen checken wir eure individuellen Awareness-Konzepte / Strukturen und prüfen sie gemeinsam mit euch auf Ganzheitlichkeit & Umsetzbarkeit. Wir erarbeiten im direkten Dialog mit euch Ideen und konkrete Ansätze, um die Awareness-Arbeit im Kontext eurer Veranstaltungen voranzubringen.

Unsere Empfehlung ist mindestens zwei Beratungstermine in Anspruch zu nehmen, damit wir im ersten Termin eine umfangreiche Bestandsaufnahme machen können, um dann im zweiten Termin lösungsfokussiert in die Zukunft zu schauen. 

Kontakt
Preise

Für Veranstalter*innen, die sich selbst oder andere Team-Mitglieder von dem Ansatz der Awareness-Arbeit überzeugen möchten, halten wir einen informativen, interaktiven und motivierenden Vortrag.

Dauer: 2 Stunden 
Max. Zuhörer*innen: 40 

Trotz intensiver Vorbereitung und ganzheitlichen Awareness-Strukturen können wir in der Praxis mit Awareness-Fällen konfrontiert werden, die unsere Kompetenzen und/oder Verantwortungsbereiche übersteigen, Verunsicherung auslösen und/oder Fragen für die zukünftige Arbeit ergeben.

In diesem Fall bieten wir für Veranstalter*innen und Awareness-Teams eine kollegiale Fallberatung an.

Dauer: Vorgespräch 1 Stunde, Beratung 2-4 Stunden
Max. Teilnehmer*innen: 15

Wir bekommen regelmäßig Anfragen, ob wir ein Awareness-Team für eine bestimmte Veranstaltung stellen können. Aktuell sind wir im Achtsamkreis Kollektiv zu zweit und damit nicht in der Lage ein ausreichend großes Awareness-Team zu bilden.

Was wir anbieten können, ist eine Weiterleitung eurer Suche/Anfrage an die aktive Awareness-Szene in Münster. Wir stehen mit vielen Menschen in Kontakt, die prinzipiell Lust haben Awareness-Schichten zu übernehmen. Die Vernetzung mit diesen Menschen bieten wir an, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

 

  • Es besteht bereits ein umfangreiches Awareness-Konzept
  • Es gibt Awareness-Organisator*innen als klare Ansprechpersonen für das Team
  • Alle Beteiligten und Verantwortlichen der Veranstaltung sind von dem Awareness-Konzept überzeugt und garantieren ihre Unterstützung bei der Umsetzung
  • Die Veranstaltung findet erst in einem Monat oder später statt. (Eine zu kurzfristige Suche nach Awareness-Personal ist oft Anzeichen dafür, dass sich nicht rechtzeitig und damit nicht ausreichend mit der Notwendigkeit und Umsetzbarkeit von Awareness beschäftigt wurde.)
  • Es gibt finanzielle Mittel, um allen Awareness-Personen ein angemessenes Honorar zu zahlen
  • Es gibt die Möglichkeit für das Team, sich in einer Schulung auf ihre Arbeit vorzubereiten
  • Es gibt die Möglichkeit für das Team, nach der Veranstaltung Erfahrungen auszutauschen und Feedback zu geben

Für Awareness-Teams

Mit dieser Schulung bereiten wir Menschen auf die Arbeit in Awareness-Teams vor. Wir bieten Raum, um Unsicherheiten zu benennen, zu besprechen und aufzulösen. Wir informieren über die Geschichte und Bedeutung von Awareness-Arbeit und darüber welche Haltung und Handlungen sich daraus ergeben. Der Fokus der Schulung liegt auf dem konkreten Umgang mit Betroffenen in Awareness-Situationen.

Module der Schulung:

  • Geschichte von Awareness-Arbeit
  • Bedeutung von Awareness-Arbeit
  • Privilegien und Diskriminierungsformen
  • Unsicherheiten während der Awareness-Arbeit
  • Awareness fängt bei dir selbst an
  • Umgang mit Betroffenen
    • Haltung & Prinzipien
    • Wie ansprechen? Was sagen? Was tun? Was nicht sagen? Was nicht tun?
    • Wo fängt Awareness-Arbeit an und wo hört sie auf?
    • Konkreter Ablauf und Handlungs-Empfehlungen
  • Umgang mit Ausübenden
  • Drogen & medizinische Notfälle
  • Haltung zu Security & Polizei
Trotz intensiver Vorbereitung und ganzheitlichen Awareness-Strukturen können wir in der Praxis mit Awareness-Fällen konfrontiert werden, die unsere Kompetenzen und/oder Verantwortungsbereiche übersteigen, Verunsicherung auslösen und/oder Fragen für die zukünftige Arbeit ergeben.

In diesem Fall bieten wir für Veranstalter*innen und Awareness-Teams eine kollegiale Fallberatung an.

Dauer: Vorgespräch 1 Stunde, Beratung 2-4 Stunden
Max. Teilnehmer*innen: 15

was heißt "awareness"?

Bedeutung

Die Initiative Awareness bringt es so auf den Punkt:
„Awareness bedeutet, einen rücksichtsvollen, verantwortungsbewussten und solidarischen Umgang miteinander zu etablieren und zu pflegen. Es sollen Räume geschaffen werden, die die Selbstbestimmung verschiedener Communities stärken – parteilich und solidarisch. Mit Awareness-Arbeit lernen wir gemeinsam, die Grenzen aller zu respektieren und Diskriminierung und Gewalt entgegenzutreten. Und wir lernen, wie wir Personen unterstützen, die diskriminierende Erfahrungen machen (müssen).“

 

 

Bewusstsein

Bewusstsein haben und schärfen dafür, dass überall Grenzüberschreitungen und Diskriminierung passieren (können) und was wir dagegen tun können

Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit schaffen dafür, dass grenzüberschreitendes und diskriminierendes Verhalten überall passieren (kann) und was wir dagegen tun können

Aufklären

Aufklären über vorhandene Macht- und Diskriminierungsverhältnisse und die bewusste Auseinandersetzung damit

Appellieren

Appellieren an die Verantwortung aller, für ein möglichst sicheres und diskriminierungsfreies Miteinander zu sorgen

Support

Solidarität mit Betroffenen und ein achtsamer Umgang mit ihren Erfahrungen und Bedürfnissen
Was sind die ursprünge?

Geschichte

Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir Awareness-Arbeit nicht erfunden haben. Ursprünge von Awareness-Strukturen liegen unteranderem in den folgenden Bewegungen und Kämpfen. Diese Aufführung ist nicht vollständig und soll vor allem deutlich machen, wie viel von Betroffenen bereits geleistet wurde, worauf wir heute aufbauen können. 

Antirassistische Bewegungen

Die Bürgerrechtsbewegungen und antikolonialen Kämpfe beeinflussten die Awareness-Arbeit stark. Insbesondere Aktivistinnen wie Audre Lorde und Bell Hooks betonten die Bedeutung der Intersektionalität – also der Überschneidung von Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus und Klassismus. Diese Theorien prägen bis heute den Ansatz der Awareness-Arbeit, da sie die Notwendigkeit aufzeigen, verschiedene Dimensionen der Diskriminierung gleichzeitig zu betrachten.

Transformative Justice und Community Accountability

In den USA entwickelte sich darüber hinaus die Bewegung der Transformative Justice und Community Accountability, insbesondere in BIPoC-Communities. Diese Ansätze entstanden, weil BIPoC sich aufgrund rassistischer Strukturen bei der Polizei und anderen staatlichen Institutionen nicht auf diese verlassen konnten. Stattdessen wurden innerhalb der Communities Mechanismen entwickelt, um mit Gewalt und Diskriminierung umzugehen. Diese community-basierte Verantwortungsübernahme hat die Awareness-Arbeit in Deutschland maßgeblich geprägt.

Feministische Bewegung

Die feministische Bewegung spielte eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der Awareness-Arbeit. In den 1970er Jahren wurden sogenannte „Consciousness-Raising-Groups“ gegründet, in denen Frauen über persönliche Erfahrungen mit Sexismus und Gewalt sprachen. Ziel war es, ein kollektives Bewusstsein für systematische Ungerechtigkeiten zu schaffen und Frauen zu ermächtigen, sich gegen diese Ungleichheiten zu wehren. Dies legte den Grundstein für viele moderne Awareness-Praktiken, die sich mit der Erkennung und Reaktion auf Diskriminierung beschäftigen.

LGBTQIA+ und queere Bewegungen

Auch in den LGBTQIA+ Communities wurde das Konzept der Awareness weiterentwickelt. Queere Kollektive und Veranstaltungen, wie Pride, schufen Safe Spaces, um marginalisierte Menschen zu schützen. Diese Räume dienten als Orte, an denen Respekt, Selbstbestimmung und das Bewusstsein für die Erfahrungen von Menschen gefördert wurden, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität diskriminiert wurden(

Alternative Szenen und Subkulturen

In den 1990er Jahren trugen alternative Subkulturen wie die Punk- und DIY-Szene ebenfalls zur Verbreitung von Awareness-Strukturen bei. Besonders bei Festivals und Veranstaltungen wurde das Konzept der Safer Spaces populär, bei dem es darum ging, Räume zu schaffen, die aktiv gegen Diskriminierung und Gewalt schützen. Diese Entwicklungen beeinflussen bis heute Awareness-Strukturen bei kulturellen und politischen Veranstaltungen

Quellen: 

  • Nancy Whittier. Feminist Generations: The Persistence of the Radical Women’s Movement. Temple University Press, 1995.
  • Bell Hooks. Feminist Theory: From Margin to Center. South End Press, 1984.
  • Joshua Gamson. The Fabulous Sylvester: The Legend, the Music, the Seventies in San Francisco. Henry Holt and Company, 2005.
  • Sabine Gross. Safe Spaces und Awareness: Geschichte und Entwicklung in alternativen Szenen. Transcript Verlag, 2016.
  • https://www.initiative-awareness.de/informieren/awareness
  • https://awareness-institut.net/geschichte-der-awareness-bewegung/
Achtsamkreis Kollektiv Münster